Judith Holle
Geschäftsführerin von beWirken und Expertin für Schulentwicklung beWirken gGmbH
Jede Schule hat ein Betriebssystem. Es entscheidet, wann Kinder wo mit wem was lernen und wer dabei welche Rolle im Lernprozess innehat. Das Problem: Die meisten Schulen haben dieses Betriebssystem nie bewusst gewählt. Es läuft einfach, seit Jahrzehnten, oft seit über hundert Jahren.
Gleichzeitig wird seit Jahrzehnten in Schulentwicklung investiert: Fortbildungen, Programme, Modellprojekte. Die Beobachtung zeigt jedoch: Die Grundlogik verändert sich kaum. Ganztagsangebot hier, multiprofessionelle Fachkräfte da – aber oft als Add-on, das sich schwer mit der Grundstruktur der Schule verträgt und dadurch Gefahr läuft, immer wieder zu versanden. Der Grund dafür ist strukturell: Innovationen verändern einzelne Formate, aber selten die Logik dahinter.
Mit dem Framework zukunftsfähige Schule macht beWirken sichtbar, was bisher unsichtbar war: die Dimensionen, die transformierte Schule wirklich konstituieren – von der Lernorganisation über die Schulorganisation bis zum systemischen Steuerungsrahmen. Es zeigt, welche Stellschrauben es gibt und warum manche davon kaum bewegt werden können, solange die Rahmenbedingungen es nicht zulassen.
Genau hier kommen Schulträger ins Spiel. Nicht als Hauptakteur*innen der pädagogischen Transformation, aber als diejenigen, die entscheiden, ob Schulen überhaupt die strukturellen Voraussetzungen haben, ihr Betriebssystem zu verändern. Raumkonzepte, Personalstrukturen, Ganztagsgestaltung, strategische Ausrichtung im regionalen Schulnetz: Mit diesen Entscheidungen können Schulträger Transformation ermöglichen oder strukturell verhindern.
Dieser Vortrag ist eine Einladung zur doppelten Standortbestimmung: Was ist das Betriebssystem eurer Schulen, und welchen Beitrag können Schulträger leisten, damit es sich wirklich verändern kann?